Erdrotation verlangsamt sich: Klimawandel bremst die Erde wie nie zuvor in 3,6 Millionen Jahren
Die Zahlen klingen zunächst unscheinbar: Der Erdtag verlängert sich derzeit um etwa 1,33 Millisekunden pro Jahrhundert. Doch im Kontext der Erdgeschichte ist diese Rate alarmierend. Das Forschungsteam um Mostafa Kiani Shahvandi von der Universität Wien und Benedikt Soja von der ETH Zürich konnte zeigen, dass ein solches Tempo der Tageslängenzunahme in den vergangenen 3,6 Millionen Jahren schlicht kein Vorbild hat. Dass die Erdrotation auch kurzfristig in die andere Richtung schwanken kann, zeigt ein Blick auf die jüngere Vergangenheit.
Der Grund für die Verlangsamung der Erdrotation liegt in der Umverteilung von Masse: Schmelzende Polkappen und Gebirgsgletscher lassen den Meeresspiegel steigen – und verlagern damit Wasser von den Polen in die Ozeane der Erde. Das Ergebnis ist physikalisch einfach zu erklären: Die Erde dreht sich langsamer, ähnlich wie eine Eiskunstläuferin, die ihre Arme ausstreckt und dadurch an Rotationsgeschwindigkeit verliert.