Der Satz, der Berlin aufschreckt

Die zentrale Provokation dieser Debatte ist klar formuliert: Deutschland sei für Russland das sinnvollere und sogar einfachere Angriffsziel innerhalb der Nato. Der estnische Sicherheitsexperte Erkki Koort, Direktor des Instituts für Innere Sicherheit an der Estnischen Akademie für Sicherheitswissenschaften, widerspricht damit den bekannten Szenarien, nach denen vor allem die baltischen Staaten zuerst im Visier Moskaus stünden.
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Koorts Punkt ist nicht bloß militärisch, sondern strategisch gedacht: Wer die Nato schwächen wolle, greife nicht zuerst an der äußersten Grenze an, sondern dort, wo der organisatorische und logistische Rücken des Bündnisses liegt. Und genau diesen Rücken verortet er in Deutschland.
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Doch warum rückt ausgerechnet die Bundesrepublik in dieser These so brutal ins Zentrum?
Warum ausgerechnet Deutschland?

Koort argumentiert, dass Deutschland in Europa die Schlüsselrolle spielt: als Drehscheibe für Truppen, Material, Verkehr und politische Koordination. Ein Schlag gegen Deutschland hätte aus seiner Sicht weit größere Folgen als ein Angriff auf ein Randgebiet, weil damit nicht nur Territorium, sondern das strategische Rückgrat der Nato getroffen würde.
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Hinzu kommt für ihn die symbolische Dimension. Ein Angriff oder auch nur eine massive Destabilisierung Deutschlands hätte nach seiner Lesart enorme propagandistische Wirkung für den Kreml. In dem heute erschienenen Bericht wird zudem auf Koorts weitere Begründung verwiesen: rund 3,5 Millionen russischsprachige Menschen in Deutschland, prorussische Sympathien in Teilen der Gesellschaft und Zweifel an der eigenen Wehrhaftigkeit könnten das Land aus russischer Sicht verwundbarer erscheinen lassen.